Innerfamiliäre Gewalt
Seit Jahren ist bekannt, dass zwischen Alkohol und innerfamiliärer Gewalt ein enger Zusammenhang besteht. Innerfamiliäre Gewalt kann Kinder schwer traumatisieren, wenn sie Gewalt gegenüber einem Elternteil oder ihren Geschwistern beobachten oder wenn sie selbst Opfer der Gewalt werden. Studien belegen, dass für Kinder von Alkoholikern ein erhöhtes Risiko besteht, Opfer von Misshandlungen (körperlich, emotional oder sexuell) zu werden. Alkohol ist ein entscheidender Risikofaktor, der zum Auftreten von Kindesmisshandlungen als auch Gewalt zwischen Lebenspartnern beiträgt. Das Risiko für Kindesmisshandlung erhöht sich, wenn beide Elternteile Alkoholprobleme haben. Kinder die in jungen Jahren misshandelt wurden, zeigen im späteren Leben häufig selbst einen riskanten oder abhängigen Alkoholkonsum. Allerdings ist die Forschung auf diesem Gebiet auf Grund zahlreicher methodologischer Probleme äußerst schwierig.
Der Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und innerfamiliärer Gewalt gegen Kinder kann u.a. folgendermaßen erklärt werden:
- schädlicher Alkoholkonsum der Eltern kann sich direkt auf die körperliche und geistige Funktionsfähigkeit auswirken, z.B. Reduktion der Fähigkeit zur Selbstkontrolle, Förderung von aggressivem Verhalten
- schädlicher Alkoholkonsum der Eltern kann deren Verantwortungsgefühl beeinträchtigen, grundlegende Bedürfnisse der Kinder können vernachlässigt werden
- schädlicher Alkoholkonsum kann mit anderen psychischen Problemen und antisozialen Persönlichkeitszügen der Eltern in Zusammenhang stehen (WHO Facts on Child maltreatment and alcohol, 2006).
Zu den negativen Auswirkungen auf die betroffenen Kinder zählen u.a. Verletzungen wie blaue Flecken, Verbrennungen und Brüche sowie stressbezogene Symptome, z.B. Schlafstörungen. Auch wenn nicht alle misshandelten Kinder dieselben Beeinträchtigungen zeigen, können gehäuft Ängste, Depressionen und Substanzmissbrauch vorkommen. Auch die schulischen Leistungen der Kinder können beeinträchtigt sein.
Auch das Miterleben von Gewalt zwischen den Eltern oder zwischen einem Elternteil und dessen Partner/in kann sich deutlich negativ auf die Entwicklung von Kindern auswirken. Des Weiteren tritt Partnergewalt häufig in Verbindung mit innerfamiliärer Gewalt gegen Kinder auf.
In den meisten Ländern gibt es öffentlich finanzierte Einrichtungen, in denen Frauen und ihre Kinder Zuflucht finden, wenn sie häusliche Gewalt erleben. Auch wenn diese Einrichtungen nicht auf Kinder und Familien spezialisiert sind, die (zusätzlich) von Alkoholproblemen betroffen sind, sollte es ein wichtiger Bestandteil der Hilfen sein, häusliche Gewalt als koexistierendes Problem zu Alkoholmissbrauch und -abhängigkeit zu begreifen.
Weitere Informationen zu ENCARE-Projekten, die sich mit der Koexistenz von Alkoholproblemen und Gewalt innerhalb von Familien beschäftigen, finden Sie auf der deutschen ENCARE-Seite unter ENCARE II, III und IV.

