Welchen Problemen sind Kinder ausgesetzt?

Kinder und Jugendliche aus alkoholbelasteten Familien sind einem erhöhten Risiko für das Erleben einer Reihe von Problemen ausgesetzt. Dazu zählen nicht nur Probleme mit dem Alkoholtrinken selbst, sondern auch andere familiäre Probleme. Elterliche Alkoholprobleme können andere Probleme überdecken, die der/die Trinker/in und/oder dessen/deren Familie erleben. Diese Probleme schließen u.a. körperliche oder psychische Gesundheitsprobleme, Beziehungsprobleme, finanzielle Probleme ein.

Die Probleme, denen Kinder und Jugendliche aus alkoholbelasteten Familien ausgesetzt sind, können sechs Hauptkategorien zugeordnet werden:

 

Körperliche und psychische Gesundheit

Kinder können unter Stress und Angst leiden, sie können Probleme mit dem Essen und Schlafen haben. Sie können eine große Bandbreite negativer Emotionen empfinden, wie z.B. Hilflosigkeit, Einsamkeit, Nervosität, Angst, irritable, Scham, Schuld und Furcht. Psychische Probleme wie Depressionen und mood disorders affektive Störungen sind möglich. Häufig geben sich Kinder selbst die Schuld dafür, was zu Hause passiert und verbringen viel Zeit mit der Sorge um ihre Eltern und andere Familienmitglieder. Trotz des Trinkens und anderer existierender Probleme verhalten sich die Kinder häufig sehr loyal gegenüber ihren Eltern, d.h. sie möchten nicht, dass andere Personen (Erwachsene oder Kinder) wissen, was bei ihnen zu Hause los ist. Dies macht es für Erwachsene schwieriger auf irgendeiner Ebene zu intervenieren.
 

Einfluss auf das Familienleben

Familienrollen, Routinen, Rituale und Feste werden häufig erheblich beeinträchtigt oder gestört. Innerhalb der Familie kann eine allgemeine Disharmonie bestehen, die sich u.a. in Kommunikationsproblemen, innerfamiliären Beziehungsproblemen und nicht eingehaltenen Versprechen ausdrückt. Häufig unternehmen Familien nichts mehr miteinander oder verbringen keine Zeit mehr mit anderen Familienmitgliedern oder Freunden. Es können auch finanzielle Schwierigkeiten auftreten.
 

Einfluss auf Beziehungen

Die Situation zu Hause kann die Beziehung des Kindes zu einem oder beiden Eltern sowie zu Geschwistern, anderen Verwandten und Freunden negativ beeinflussen. Häufig sind die Mutter oder der Vater nicht in der Lage, ihre volle Erziehungskompetenz auszuschöpfen – zum Leidwesen der Kinder.
 

Einfluss auf schulische Leistungen

Aufgrund von Stress, Angst, Müdigkeit etc. kann es vorkommen, dass die schulischen Leistungen der Kinder nicht so sind wie sie sein sollten. Manchmal müssen sich die Kinder um einen Elternteil oder die Geschwister kümmern, was weniger Zeit für Hausaufgaben und Lernen zur Folge hat. Dies kann gleichzeitig dazu führen, dass das Kind weniger in außerschulische Aktivitäten eingebunden ist. Auch die Eltern kümmern sich unter Umständen nicht ausreichend um die schulischen Belange ihrer Kinder, nehmen beispielsweise nicht an Elternabenden oder -sprechtagen teil. Schuleschwänzen, Fehlverhalten und Mobbing können dadurch begünstigt werden.
 

Verhalten

Das Kind kann einem erhöhten Risiko für Verhaltens-, emotionale und kognitive Probleme ausgesetzt sein und seine gesunde Entwicklung kann beeinträchtigt sein. Psychische Störungen, delinquentes Verhalten und Schuleschwänzen können vorkommen.
 

Kindsein

Durch die unangemessene und verfrühte Übernahme von Verantwortung, z.B. durch das Kümmern um Geschwister oder einen betrunkenen Elternteil, können dem Kind entscheidende Jahre und Erfahrungen seiner Kindheit verloren gehen. Dies kann dazu führen, dass das Kind keine engen Freundschaften eingehen kann oder möchte.

 

Nicht alle Kinder sind in derselben Art und Weise betroffen. Unter anderem können das Geschlecht und der Entwicklungsstand beeinflussen wie sich ein elterliches Alkoholproblem auf ein Kind auswirkt. Es ist auch wichtig zu sagen, dass elterliche Alkoholprobleme nicht auf alle Kinder – kurz- oder langfristig – negative Auswirkungen haben. "Resilienz" ist ein Konzept, das versucht diesen Umstand zu erklären.