Wie groß ist das Problem?

Es ist äußerst schwierig, die genaue Anzahl von Kindern und Jugendlichen zu bestimmen, die von elterlichen Alkoholproblemen betroffen sind. Dies liegt zum einen daran, dass solche Daten in keinem Land regelmäßig erhoben werden. Zum anderen handelt es sich aufgrund der von vielen Kindern, Jugendlichen (und anderen Familienmitgliedern) empfundenen Scham, Schuld und Angst häufig um ein verdecktes Problem. Hinzu kommt die Tatsache, dass Alkoholmissbrauch selten isoliert auftritt, sondern häufig in Verbindung mit familiärer Gewalt, Partnerschaftskonflikten, einer zusätzlichen psychischen Erkrankungen, Missbrauch anderer Substanzen, Schwierigkeiten mit Wohnung, Arbeit und Finanzen.

Diese Tatsachen erschweren es zu bestimmen, wie viele Personen betroffen sind. Letztlich führt die Reihe der unterschiedlichen Begriffs- und Problemdefinitionen zu einer mangelnden Übereinstimmung hinsichtlich des Problemumfangs innerhalb eines Landes, geschweige denn in Europa. Dennoch gab es Versuche, die Anzahl der Kinder und Jugendlichen aus alkoholbelasteten Familien zu bestimmen:

Ein europäischer Bericht der Organisationen COFACE und EUROCARE aus dem Jahr 1998 schätzte die Zahl der betroffenen Kinder unter 15 Jahren in der EU-15 und Norwegen auf 4.5 bis 7.7 Millionen. Dies entspricht etwa 6.8 - 11.7% der Gesamtbevölkerung von rund 60 Millionen in Kindern unter 15 Jahren in diesen Ländern zum genannten Zeitpunkt. Uhl (2007) hat für Österreich geschätzt, dass ca. 10% aller minderjährigen Kinder und Jugendlichen einen alkoholabhängigen Elternteil haben und ca. 50% aller Kinder und Jugendlichen mit einem alkoholabhängigen oder alkoholmissbrauchenden Familienmitglied wie z.B. neue Partner der Eltern, Großeltern, andere Verwandte konfrontiert sind.

Es ist zu beachten, dass die genannten Zahlen lediglich einen groben Eindruck der Größe des Problems vermitteln können. Einzelne Schätzungen können unter anderem aufgrund der unterschiedlichen Problemdefinitionen und Berechnungsmethoden, die in einzelnen Ländern und Studien angewandt werden, variieren, z.B. die jeweils vorgenommene Abgrenzung von unproblematischem und problematischem Alkoholkonsum.